Das Karpaltunnelsyndrom

 

Synonyme

  • Beim Karpaltunnelsyndrom handelt es sich um Entzündungen und/ oder Verletzungen im Bereich des Nervus medianus.

Karpaltunnelsyndrom, Carpaltunnelsyndrom, Medianus- kompressionssyndrom, Brachialgia paraesthetica nocturna, Carpaltunnelsyndrom, CTS, KTS, Nervenkompressionssyndrom, Kompressionsneuropathie des Nervus medianus
Häufige Tippfehler: Kapaltunnel, Capaltunnel, Kapaltunnelsyndrom. Capaltunnelsyndrom

 
 

 

 

Definition

Durch Verletzungen Entzündungen oder degenerative Veränderungen können Schädigungen des Medianusnerves auftreten, die zu einer Rückbildung, bzw. zum Schwund der Daumenballenmuskulatur (= Atrophie) führen können. Dieses Syndrom bezeichnet man als Karpaltunnelsyndrom. Typischerweise führt dies zu nächtlichen Gefühlsstörungen im Bereich der ersten drei Finger.

Geschlechtsverteilung

Die Geschlechtsverteilung beträgt etwa 75 : 25 (weiblich : männlich), meist ist die primäre Arbeitshand betroffen. Ein Betroffensein beider Hände ist leider in der Mehrzahl der Fälle zu beobachten. Das heißt nicht, dass das Karpaltunnelsyndrom gleichzeitig auftreten muss. Oft tritt die Erkrankung in der anderen Hand erst nach Jahren auf.

 

Anatomie

Der Karpaltunnel stellt eine tunnelartige Röhre dar. Sie befindet sich in der Tiefe zwischen der Daumenballenmuskulatur und der Kleinfingerballenmuskulatur.

Ursache

Durch den Druck auf den Nerven entstehen Schmerzen. Die Schmerzen treten besonders stark in der Nacht auf. Das Krankheitsbild kann weiter fortschreiten und ein andauerndes Taubheitsgefühl auslösen, das sich besonders auf Daumen , Zeige- und Mittelfinger ausdehnt. Bleibt die Erkrankung über viele Jahre hinweg unbehandelt, kann es außerdem zu einem Schwund der Daumenballenmuskulatur kommen. In diesem Fall kann der Daumen den Fingern nicht mehr kraftvoll gegenüber gestellt werden.

Man kann hier 2 prinzipielle Gründe unterscheiden:

  1. 1. Einengungen des Karpalkanals:’
      (z.B. infolge Knochenbrüchen, Akromegalie -> siehe auch unser   Thema Akromegalie, etc.)

  2. 2. Krankhaft vermehrter Rauminhalt im Karpalkanal:
      z.B. durch einen Tumor

Die Ursache für die Erkrankung am Karpaltunnelsyndrom ist in der Regel nicht eindeutig feststellbar. Die oben genannten und somit bekannten Ursachen machen nur einen kleinen Teil aller vorkommenden Fälle aus.

Sehr häufig sind Frauen im Bereich der sogenannten „Wechseljahre“ von dieser Krankheit betroffen.
Ca. 1% aller Frauen zwischen 40 und 60 Jahren klagen zumindest vorübergehend über Symptome, die auf das Karpaltunnelsyndrom hinweisen.

Besonders der vermehrten Computereinsatz, verursacht durch die Nutzung der Tastatur und der „Maus“, verursacht eine deutliche Zunahme im Bereich diagnostizierter Karpaltunnelsyndrome. Beachten Sie hierzu insbesondere die Literaturempfehlung „Diagnose Maus-Arm“.

Auch Männer können am Karpaltunnelsyndrom erkranken, bei Kindern ist die Krankheit relativ selten.

 

Diagnostik des Karpaltunnelsyndroms

Die Diagnostik des Karpaltunnelsyndroms erfolgt zuerst durch verschiedene Tests, wie den Phalen-Test, den Karpalkompressionstest, oder das Hofmann-Tinel-Zeichen.

Um die Diagnostik, die beim Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom angewandt wird zu verstehen, muss man sich zuerst die Ursache verdeutlichen:
Durch eine übermäßige Kompression des Nervus medianus im Handgelenk, schwillt dieser an, und kann die Nervenimpulse aus dem Gehirn nicht mehr ausreichend weitergeben.
Der Nervus medianus ist dabei für die sensible und motorische Versorgung großer Teile der Hand zuständig. Um also herauszufinden, ob ein Karpaltunnelsyndrom vorliegt, kann relativ einfach die Nervenleitungsgeschwindigkeit des Nervus medianus im Seitenvergleich gemessen werden. Dazu werden auf dem Unterarm kleine Elektroden aufgeklebt, und ein elektrischer Impuls auf Höhe des Ellenbogens gesetzt.
Die Messung und der Seitenvergleich mit der anderen Hand geben Aufschluss über das Vorliegen einer Funktionsstörung. Sollte – wie in vielen Fällen üblich – kein Seitenvergleich möglich sein, da das Karpaltunnelsyndrom beidseitig vorliegt, kann immer noch mittels Ultraschall die Muskel- und Nervenloge am Handgelenk untersucht werden.
Dazu wird der Kopf des Ultraschallgeräts auf das Handgelenk aufgelegt, und der Querschnitt des Armes dargestellt. Auf dem Bild sieht man dadurch die einzelnen Muskeln, Gefäße, und Nerven, die an der untersuchten Stelle verlaufen.
Ein Vergleich des Nervus medianus, mit den in der Nähe verlaufenden Strukturen erlaubt Rückschlüsse auf eine etwaige Schwellung des Nervs. Schlussendlich kann die Diagnose Karpaltunnelsyndrom natürliche auch durch klinische Untersuchung erfolgen, indem die verschiedenen Symptome untersucht werden, und eine intensive Ursachenforschung betrieben wird.
So gibt es beispielsweise verschiedene „begünstigende“ Faktoren für ein Karpaltunnelsyndrom. Nach Schwangerschaften ist es durch die Umstellung des Hormonhaushaltes relativ typisch, an einem Karpaltunnelsyndrom zu erkranken.
Aber auch Adipositas, Traumata, oder Ödeme im Bereich des Handgelenks lassen - bei zusätzlichem Vorliegen von Bewegungseinschränkungen und Taubheitsgefühl in der Hand – schnell in Richtung eines Karpaltunnelsyndroms denken. Die Diagnose ist indes nicht schwer zu stellen, und liegt in fast allen Fällen richtig. Da ferner keine sonderlich ausgefallenen Gerätschaften zur Untersuchung notwendig sind, kann die Untersuchung meist ohne vorherige Terminvereinbarung erfolgen. Die Untersuchung ist meist binnen einer halben Stunde abgeschlossen.

 

Karpaltunnelsyndrom - Tests

Zur Untersuchung des Karpaltunnelsyndroms gibt es verschiedene klinische Tests:

Sehr einfach durchzuführen ist der „Phalen-Test“, der nach seinem Erfinder George Phalen benannt wurde: Dabei winkelt der Patient die Hand eine Minute lang maximal an, um danach zu überprüfen, ob es zu Gefühlsausfällen im Bereich der Finger kommt.
Ist der Phalen-Test positiv, ist das ein Zeichen für ein Karpaltunnelsyndrom.

Ein weiterer Test ist der Karpalkompressionstest, bei dem der Untersucher mit beiden Daumen Druck auf die Mitte des Handgelenks ausübt. Nach kurzer Zeit beendet der Untersucher den Druckeinwirkung, und es werden – wie beim Phalen-Test auch – etwaige Gefühlsminderungen in der Hand eruiert. Diese Gefühlsminderung werden auch Parästhesie genannt, und im medizinischen Alltag als „Hoffmann-Tinel-Zeichen“ bezeichnet. Das Hoffmann-Tinel-Zeichen lässt den Untersucher also in Richtung eines Karpaltunnelsyndroms denken.

Oben genannte Tests sind sehr einfach, und auch ohne ärztliche Hilfe, zum Beispiel zusammen mit dem Ehepartner, durchführbar. Bei Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom sollte jedoch zur abschließenden Diagnosestellung und Behandlung ein Arzt konsultiert werden.

 

Symptome

Das Karpaltunnelsyndrom, welches unter anderem auch Medianuskompressionssydndrom genannt wird, ist ein Komrpessionssyndrom des Nervus medianus im Bereich der Handwurzel. Diesen Bereich nennt man Karpaltunnel. Er wird von verschiedenen knöchernen und muskulären Strukturen sowie einem Band begrenzt. 

Durch ihn läuft der besagte Nerv, welcher unter anderem Teile der Hand motorisch und sensibel versorgt. Eine Einklemmung hier führt also zu Verlusten und Einschränkungen motorischer und sensibler Funktionen der Hand. Um die Symptomatik besser zu verstehen, bietet es sich an, sich etwas über die Funktionen und Aufgaben des Nervus medianus zu informieren.

Dieser Nerv versorgt die ersten drei Finger, sprich den Daumen, Mittel- und Zeigefinger in Teilen motorisch und die Haut in diesem Bereich sensibel. Bei der sensiblen Versorgung zeigt sich bei der Symptomatik ein ganz charakteristisches Ausfallsmuster. Der Nerv versorgt daumenseitig die Haut der Hohlhand auf der Seite des Daumens, die Haut der ersten drei Finger und die daumenseitige Haut des Ringfingers. Auf der Rückseite der Hand versorgt er die die Fingerendglieder der ersten drei Finger und zu einem kleinen Teil auch des Ringfingers.
Bei einem Karpaltunnelsyndrom kommt es in dem genannten Versorgungsgebiet zu sensibler Missempfindung bis hin zur Taubheit der Haut. Das hängt vom Schweregrad der Kompression ab. Es kommt aber wie gesagt nicht nur zu sensiblen Ausfällen sondern auch zu motorischen Funktionsverlusten.

Bei einem Karpaltunnelsyndrom ist der Faustschluss erschwert, da hierfür die Muskulatur nicht mehr richtig innerviert wird. Bei einer sehr stark ausgeprägten Symptomatik und einem weit fortgeschrittenen Kompressionssyndrom kommt es zur sogenannten „Schwurhand“, wenn man den Patienten bittet, die Faust zu ballen. Dabei können der Daumen, Zeige- und Mittelfinger nicht mehr vollständig gebeugt werden und befinden sich immer in einer gestreckten Stellung. Dieses klinische Bild ist zwar sehr prägnant, entspricht aber nicht immer der Realität.
Meist sind lediglich die Motorik und die Kraft des Patienten so weit eingeschränkt, dass er den Faustschluss nicht mehr so kraftvoll ausführen kann. Das Tragen von Gegenständen oder körperliche Tätigkeiten, bei denen vor allem die Daumen gebraucht werden, fallen den Betroffenen immer schwerer.

Die eben umschriebenen Ausfälle zeigen das klinische Vollbild eines Medianuskompressionssyndroms. Zu Beginn der Einklemmung treten Beschwerden wie diffuse Schmerzen und Missempfindungen (Einschlafen, Ameisenlaufen) vor allem während und nach der Belastung der Handgelenke auf. Die Schmerzen betreffen in erster Linie die Hand, strahlen aber auch in den Arm aus.
Mit zunehmender Kompression treten die Beschwerden nachts und schließlich auch tagsüber in Ruhe auf. Durch die Minderversorgung der Muskeln kommt es bei diesen zu einer sogenannten Atrophie, einem Muskelschwund. Der Daumenballen flacht ab oder dellt sich ein. Das kann man von außen sehen und auch tasten.

Im weiteren Verlauf der Nervenschädigung tritt eine Schwäche beim Zupacken auf, die sich zunächst vor allem morgens manifestiert, dann aber auch tagsüber. Letztendlich leidet auch die Feinmotorik unter der Schädigung des Nervus Medianus.
In diesem Stadium der Kompression nehmen dann die Schmerzen wieder ab, da auch Schmerzfasern zerstört werden. Es gibt außerdem klinische Zeichen, die bei einem bestehenden Karpaltunnelsyndrom positiv ausfallen. Es gibt das Hoffmann-Tinnel-Zeichen und das Phanel-Zeichen. Das Hoffmann-Tinnel-Zeichen ist ein Druckschmerz des Karpalkanals. Auch leichtes Beklopfen schmerzt. Beim Phanel-Zeichen kommt es zu sensiblen Missempfindungen, wenn man das Handgelenk stark beugt oder streckt.

 

Verlauf

Im Verlauf der Krankheit bleibt es nicht nur bei den nächtlich auftretenden Schmerzen und Missempfindungen. Zunehmend häufiger treten die Symptome auch tagsüber auf. Patienten berichten diesbezüglich häufig von „Ungeschicklichkeit“ und plötzlich auftretender „Schwäche“ der Hand. Das Feingefühl der Haut an Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger reduziert sich immer stärker.

In später folgenden Stadien kann es zum Verlust der Daumenballenmuskulatur kommen.

Der vollständige Verlust des Hautgefühls in der Hand tritt heute glücklicherweise nur noch ganz selten auf.

 

Therapie

  • Die Bandage als Therapieoption bei einem Karpaltunnelsyndrom

Ein Karpaltunnelsyndrom muss nicht immer operiert werden. Häufig genügt in den sogenannten Frühstadien die Gabe von Vitamin B6 Gaben. Die Therapie kann unter Umständen zusätzlich durch eine speziell angepasste nächtliche Lagerungsschiene verstärkt werden.

Für den Fall, dass es mittelfristig zu keiner Besserung der Schmerzen kommt und um irreversiblen (= nicht zu behebenden) Schäden am Nerven vorzubeugen, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden. 
Dabei sollte die Entscheidung ob eine Operation sinnvoll ist oder nicht, reiflich abgewogen werden. Ein erfahrener Nervenarzt (Neurologe = Facharzt für Neurologie) oder Handchirurgen kann Ihnen hierbei behilflich sein.

 

Die Schiene und Bandage zur Behandlung des Karpaltunnelsyndroms

Beim Karpaltunnelsyndrom kommt es zu einer Kompression der Nerven- und Blutbahnen im Bereich des Handgelenkes.
Diese Kompression wird durch Anwinkeln der Hände, zum Beispiel beim Greifen, oder Heben, begünstigt. Anfangs kann man die Hände noch „Ausschütteln“, um das lästige Kribbelgefühl los zu werden, im fortgeschrittenen Stadien schafft dies allerdings kaum noch Abhilfe.

Ist das Karpaltunnelsyndrom noch nicht zu weit fortgeschritten, so kann neben der OP auch eine konservative Therapie mittels Ruhigstellung erfolgen. Ziel ist es, den Druck auf die Nerven und Blutgefäße im Handgelenk möglichst gering zu halten. Zu diesem Zweck existieren mehrere verschiedene Schienensysteme, die die Hand schienen und fixieren. Prinzipiell unterscheiden sich Schienen und Bandagen nicht in ihrer Funktion, allerdings in ihrem Material und Tragekomfort.
Jeder Hersteller bewirbt sein Produkt natürlich mit anderen Vorzügen, im Endeffekt ist es aber natürlich die Entscheidung des Patienten selbst, ob er sich für eine Bandage, oder eine Schiene entscheidet.

In Fachgeschäften können verschiedene Modelle anprobiert werden. Auch ist es möglich diese individuell anzupassen. Allerdings ist darauf zu achten, dass – egal für welche Art der Ruhigstellung man sich schlussendlich entscheidet – der ursprüngliche Sinn der Schiene nicht in Vergessenheit gerät. Eine Fixierung des Handgelenks ist zwangsläufig unangenehm, da es den Patienten in seiner physiologischen Bewegungsfreiheit einschränkt. Schienen haben den Vorteil, dass sie leicht mit einem Klettverschluss abgenommen werden können, und die Fläche darunter gewaschen werden kann.
Zudem schützen die festen Plastikplatten in der Schiene das Handgelenk vor äußeren Einflüssen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die Schiene nicht konsequent genug getragen wird, und gerade durch die Möglichkeit der leichten Abnahme eine Verschlechterung des Karpaltunnelsyndroms hervorgerufen wird.

Bandagen hingegen umschließen das Handgelenk straff, und schützen es durch integrierte Stoffpolster ebenfalls gegen Verletzungen durch äußere Einflüsse. Wen eine rigide Plastikplatte zur Schienung zu unangenehm ist, der ist mit einer Bandage sicherlich gut beraten. Allerdings sollte bei der Wahl beachtet werden, dass es sich nicht um ein „Accessoire“, sondern ein medizinisches Produkt handelt, dass auch einen gewissen Nutzen erfüllen muss. Zwar sollte weder Bandage noch Schiene so eng sitzen, dass Schmerzen oder weitere Taubheitsgefühle entstehen, jedoch muss die Ruhigstellung des Handgelenks oberste Priorität haben, da eine weitere Verschlechterung des Karpaltunnelsyndroms meist nur mit einer Operation behandelt werden kann.

 

Operation

Das Karpaltunnelsyndrom benötigt eine Therapie, da die Nervenschädigung, gerade bei einem schweren Verlauf und einem langen Bestehen der Kompression, weiter fortschreiten kann.

Im Allgemeinen kann bei einer leichten Kompression und leichten  Beschwerden eine konservative Therapie ausreichen. Dazu gehören schonende Maßnahme und eine Ruhigstellung der Hand, die zum Beispiel durch eine Schiene und schmerzstillende sowie entzündungshemmende  Medikamente erreicht werden können. Sollten die Beschwerden dennoch anhalten oder die Kompression des Nervs bereits weit fortgeschritten sein, ist eine operative Behandlung von Nöten. Es gibt zwei gängige Operationstechniken, die beim Karpaltunnelsyndrom ihre Anwendung finden.                                               

Im Folgenden werden die Abläufe, Komplikationen und die Nachbehandlung der chirurgischen Therapie näher erläutert.                                                                                                      

1. Anästhesie: Die Operation erfolgt unter Regionalanästhesie. Dabei wird der ganze Arm betäubt und nicht nur der Unterarm, da so die für den Eingriff erforderliche Blutleere besser ertragen wird. Die Anästhesie erfolgt über eine Betäubung der Nerven in der Achsel (axilläre Blockade) oder aber über eine intravenöse Regionalanästhesie. Eine Vollnarkose ist nicht nötig. Sie kann nur in Ausnahmefällen in Erwägung gezogen werden.                                                                                                                    

2. Die offene Operation: Bei der offenen Operationstechnik hat der Chirurg eine direkte Sicht auf das Operationsfeld. Zunächst einmal erfolgt ein kleiner Hautschnitt etwa mittig an der palmaren Seite des Handgelenks. Palmar bedeutet „zur Handfläche hin gerichtet“.
Der Schnitt verläuft an der Handwurzel entlang und ist etwa 3 cm lang. Der Chirurg muss dabei darauf achten, weder zu weit daumenseitig noch zu weit kleinfingerseitig zu schneiden, um wichtige Nerven nicht zu verletzen. Insbesondere auf der Kleinfingerseite ist Vorsicht geboten, da hier die sogenannte Guyon-Loge liegt.
Dabei handelt es sich um einen anatomischen Bereich, eine Loge, in der der wichtige Nervus ulnaris liegt. Er versorgt Muskeln der Hand und die Haut teilweise sensibel. Der Chirurg kann die Schnitttechnik bei der Operation prinzipiell variieren, so gibt es z.B. auch die Kurzschnitt-Technik. Im Endeffekt muss jedoch bei jeder Operation das Band, welches den Karpaltunnel hohlhandwärts begrenzt und die Handwurzelknochen überspannt, durchtrennt werden.
Dieses Band nennt man Retinaculum musculorum flexorum. Die Durchtrennung des Bandes führt zu einer umgehenden Druckentlastung im Karpalkanal und infolgedessen zu einer Erholung des komprimierten Nervus medianus, vorausgesetzt die Schädigung ist nicht zu weit vorangeschritten. Es sind keine weiteren chirurgischen Maßnahmen am Nerv selbst von Nöten. Es handelt sich bei dieser Operation um einen Routineeingriff bei Handchirurgen, welcher in der Regel ohne Komplikationen verläuft.

Es kann wie bei allen Eingriffen zu Narbenbeschwerden kommen. Außerdem kann es in den nächsten 6 Monaten nach der Operation zu einer Kraftminderung kommen. In den seltensten Fällen besteht die Möglichkeit, dass sich eine Algodystrophie ausbildet. Diese Algodystrophie umfasst sowohl motorische als auch sensible Störungen.

Nach der Operation ist kein Gipsverband nötig, obwohl dieser noch vielerorts angewendet wird. Die Wunde heilt sehr schnell und gut ab, sodass nach einem halben Jahr die Narbe meist schon fast komplett verschwunden ist. Unmittelbar nach der Operation sollte die Hand geschont werden.
Die Zeit der Arbeitsunfähigkeit variiert dabei zwischen einigen Tagen bis zu mehreren Wochen, je nach Tätigkeit.                                                         

3. Endoskopische Operation: Beim endoskopischen Verfahren hat der Chirurg eine indirekte Sicht auf das Operationsfeld. Er sieht es durch das Endoskop. Der Verlauf der Operation ist derselbe wie bei der offenen Technik. Für die Patienten scheint dieses Verfahren jedoch angenehmer zu sein aufgrund eines geringeren Narbenschmerzes. Dem gegenüber stehen jedoch möglicherweise höhere Komplikationsraten.

Folgen und Komplikationen der Operationen: Das Ergebnis der chirurgischen Therapie hängt von der Vorschädigung des Nervus Medianus ab. Bei leichten Schädigungen, beziehungsweise bei einem unkomplizierten Verlauf des Karpaltunnelsyndroms, behebt die Operation sofort alle Beschwerden.
Zu diesen Beschwerden gehören sowohl motorische als auch sensible Schädigungen. Sollte es jedoch bereits zu starken Missempfindungen und Muskelschwächen gekommen sein, kann nicht garantiert werden, dass nach der Operation sofort der Normalzustand wiederhergestellt ist.
Im Allgemeinen sind Komplikationen, welche generell bei Operationen auftreten können, wie zum Beispiel Nachblutungen und Infektionen, recht selten. In sehr seltenen Fällen kann es zu einer sogenannten Algodystrophie kommen, welche sich durch starke Schmerzen auszeichnet. Zu kleine Hautschnitte können bei der Operationen Komplikationen nach sich ziehen, indem das zu trennende Band (Retinaculum musculorum flexorum) nicht vollständig gespalten werden kann.

Außerdem ist das Risiko für Komplikationen bei endoskopischen Verfahren höher als bei der offenen Operationstechnik. Dafür heilen hier die Narben schneller ab. Es kann auch aufgrund komplizierter anatomischer Gegebenheiten nötig sein, während eines endoskopischen Eingriffs auf eine offene Technik umzusteigen. Insgesamt handelt es sich jedoch um Operationen mit geringen Risiken und wenigen Komplikationen. Der Langzeiterfolg ist ebenfalls sehr gut. Die meisten Patienten sind sehr zufrieden bis beschwerdefrei nach dem Eingriff. Je mehr Nebenerkrankungen vorliegen, bspw. Diabetes, Rheuma oder Arthrose, desto schlechter fällt das Operationsergebnis aus.                                                                                            

Nachsorge: Die Nachsorge der OP-Wunde gestaltet sich sehr simpel. Es sind im Allgemeinen keine schienenden Maßnahmen der Hand nötig. Ob eine Schiene angewendet wird, liegt im Ermessen des Chirurgen. Die Wunde ist mit einem Watteverband, beziehungsweise einem Verband mit leichter Kompression, für ein paar Tage verschlossen.
Bei Schmerzen können schmerzlindernde Medikamente eingenommen werden. Außerdem hilft Kühlung gegen die Schwellung und den Schmerz. Die Hand sollte nicht komplett ruhiggestellt, sondern leicht bewegt werden, um eine Gelenksteifigkeit zu vermeiden. Eine Überbelastung und schwere körperliche Tätigkeiten sind jedoch die ersten Wochen zu meiden.

Lesen Sie mehr zum Thema: Operation des Karpaltunnelsyndrom

 

Homöopathische Behandlung

Homöopathische Heilungsansätze schließen eine schulmedizinische Behandlung beim Karpaltunnelsyndrom per se aus. Oftmals wird den Patienten dort von einer Operation abgeraten und zu alternativen Methoden wie etwa Massage, Akupunktur und einer Behandlung beim Chiropraktiker geraten.
Im Allgemeinen ist gegen Massagen nichts einzuwenden, auch eine Akupunktur oder eine Behandlung durch einen Chiropraktiker können die Beschwerden lindern. Es ist jedoch fraglich, ob, insbesondere bei einer fortgeschrittenen Kompression des Nervs, solche Methoden wirklich effektiv sind. Sie können die Ursache der Kompression, nämlich den Engpass im Karpaltunnel, nicht auf Dauer beseitigen.

Außerdem finden homöopathische Heilmittel, welche auf pflanzlicher Basis hergestellt werden und in Form von Globuli, Tropfen oder Salben erhältlich sind, in der Homöopathie ihre Anwendung. Empfohlen werden die Mittel Arnica D4, Ruta D4 und Hekla lava D4. Außerdem gibt es ein Komplexmittel namens Traumeel®. Dieses ist sowohl als Salbe, als auch in Form von Tabletten erhältlich.   

 

Risikofaktoren

Um eine detaillierte Diagnose stellen zu können, ist es wichtig, dass der Patient dem Arzt all seine Beschwerden darlegt. Auch die Fragen nach den Begleiterkrankungen, wie beispielsweise Diabetes mellitus ("Zuckerkrankheit"), Fehlfunktionen der Schilddrüse oder durchgemachte Brüche im Bereich der Handgelenke sind wichtig.

 

Ein Karpaltunnelsyndrom während der Schwangerschaft

  • In der Schwangerschaft kann es durch die Wassereinlagerungen an anatomischen Engstellen, wie dem Karpaltunnel, zu Kompressionen kommen.

Das Karpaltunnelsyndrom entsteht, wenn der Druck im Karpaltunnel steigt und so den Nervus medianus komprimiert.
In der Schwangerschaft ist der Körper der Frau einer besonderen hormonellen Situation ausgesetzt. Besonders im letzten Trimenon (Drittel) der Schwangerschaft lagert der Körper vermehrt Wasser ein. Das eingelagerte Wasser führt dazu, dass die Körpergewebe anschwellen und es besonders an anatomischen Engstellen zu Kompressionen von Strukturen wie z.B. Nerven kommen kann. Solch eine anatomische Engstelle ist der Karpaltunnel.
Es kommt so zu einer Kompression des Nervus medianus und zu den typischen Symptomen eines Karpaltunnelsyndroms. Es dominieren Schmerzen in der betroffenen Hand, welche in den Arm ausstrahlen können und besonders nachts quälend sind. Infolge dessen entsteht ein Schlafmangel und nächtliche Unruhe. Außerdem fühlen sich vor allem Mittelfinger und Zeigefinger taub an. Der Arzt kann das leicht in der klinischen Untersuchung feststellen. Zur endgültigen Diagnose kann er die Nervenleitgeschwindigkeit bestimmen. Wie ist nun ein Karpaltunnelsyndrom in der Schwangerschaft zu behandeln? Prinzipiell sollten unnötige Eingriffe in der Schwangerschaft vermieden werden. Das Karpaltunnelsyndrom kann man jedoch dank moderner Narkoseverfahren auch in der Schwangerschaft operieren.
Es ist aber nicht unbedingt sinnvoll dies zu tun. In den meisten Fällen bildet sich das Syndrom zurück, sobald die Ursache entfällt. Das bedeutet, dass nach der Geburt und eventuell der Stillzeit bei etwa 50% der Betroffenen die Symptome komplett abklingen. Es sollte daher versucht werden, die Geburt abzuwarten. Gerade bei nächtlichen Schmerzen kann eine Nachtlagerungsschiene getragen werden.
Das soll die Beschwerden lindern, sodass die Schwangere auch wieder möglichst beschwerdefrei schlafen kann. Die Schiene führt zu einer Druckentlastung im Karpaltunnel.

Vor allem beugt das Abwarten der Operation einer Infektion in der Schwangerschaft vor. Auch wenn das Risiko recht gering ist, so kann es im Rahmen der Operation zu einer Infektion kommen, deren Therapie dann durch die Schwangerschaft erheblich erschwert sein kann. Das ist so, da in der Schwangerschaft nicht alle Medikamente gegeben werden dürfen, sprich kontraindiziert sind. Nach dem Abstillen kann eine Operation prinzipiell jederzeit erfolgen. Es sollte jedoch gewährleistet sein, dass jemand die ersten 2-3 Wochen nach der Operation die Säuglingspflege übernimmt.
Dazu gehören vor allem das Windel-Wechseln und Baden des Kindes. Bei diesen Tätigkeiten kann die frische OP-Wunde möglicherweise mit Keimen kontaminiert werden. Dadurch entstehen Entzündungen und Infektionen. Das sollte in jedem Falle vermieden werden.

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Zusammenfassung

Unter einem Karpaltunnelsyndrom versteht man eine "Nerveneinklemmung" der Hand. Betrachtet man die Hand in der Höhe des Handgelenkes, so erkennt man ein breites Band, das sich zwischen Daumen- und Kleinfingerballen ausspannt, direkt über dem Handgelenk. Dieses Band stellt sich als Dach eines Kanals (Karpaltunnels) dar. Dieser Kanal enthält u.a. einen wichtigen Handnerven -  den Nervus medianus. Beim Karpaltunnelsyndrom ist genau dieser Kanal zu eng. Dadurch wird auf den Nervus medianus Druck ausgeübt.